Die Zeit die uns bleibt

Es ist so leicht sich in dem zu verlieren was man nicht mehr hat. Dreimal hat es mir den Boden unter den Füßen weggezogen – Hermine, bis heute unbegreiflich, hatte nur 6 viel zu kurze Monate auf dieser Welt, Hazel – meine Lehrmeisterin und geliebte Giftnudel, die fit bis zum Schluss mit knapp 11 Jahren den Kampf gegen den Krebs verlor und Hexe – mein Seelenhund, die so hart gekämpft, so lange alle Prognosen widerlegt hat bis auch ihre Kraft aufgebraucht war…

Was bleibt ist unglaublich viel Trauer und Wut. Aber und diese Entscheidung muss ich täglich neu treffen – auch Dankbarkeit.

Dankbarkeit, dass diese wunderbaren Hunde in meinem Leben waren. Dankbarkeit, dass Hermine mir den Wert der Zeit gelehrt hat, dass ausgerechnet ich diesen kleinen Hund mit dem großen Herzen für kurze Zeit begleiten durfte. Hazel, die meinen Ehrgeiz kuriert hat und mir so unfassbar viel über Geduld und Freundschaft beigebracht hat – mit ihr habe ich gelernt was Zusammenarbeit wirklich heißt und dass manchmal erst Umwege zum Ziel führen. Und Hexe, dieses kleine Bündel Energie, die vom Tag ihrer Geburt an völlig selbstverständlich mein Hund war. Immer an meiner Seite, kein Interesse an anderen Menschen oder Hunden, mein Schatten, mein Seelenhund, die mit ihrem Charme und ihren Fluselohren selbst überzeugte Nicht-Hundemenschen um den Finger wickeln konnte.

Es ist so einfach sich in der Trauer zu verlieren. Wütend zu sein – warum ausgerechnet meine Hunde viel zu früh gehen mussten.

Aber was ist dann mit dem Hier und Jetzt?

Pauline hat sich mit ihrem Sanftmut und ihrer Kreativität in mein Leben geschlichen. Mich demütig werden lassen – glaubte ich doch bisher man könnte jedem Hund das klauen abgewöhnen wenn man sich nur anstrengt… Manch Eigenschaft, wie z.B. die unbändige Leidenschaft für Bälle oder das ungebrochene Bedürfnis Küsse zu verteilen lassen mich mit einem Lächeln an Hazel zurückdenken – und doch ist sie ein ganz eigener Charakter. Sie möchte alles richtig machen, ist dann aber überfordert mit ihrer eigenen Ungeduld und wird maulig. Mathilde hingegen träumt noch viel in ihrer eigenen Welt, verfolgt begeistert Insekten und vergisst durchaus auf halbem Weg zum Dummy schonmal was sie eigentlich wollte um sich dann erstmal ausgiebig im Schlamm zu wälzen. Sie ist die erste an der Tür, sitzt schon am Auto wenn ich nur überlege wohin zu fahren und stets für alle Abenteuer zu haben – wenn sie nur dabei sein kann.

Ich habe also – schon wieder – zwei wunderbare Knalltüten an meiner Seite und werde mein bestes geben jeden Tag mit ihnen zu geniessen. Ich sage nicht, dass ich nicht manchmal traurig oder wütend bin. Aber Paulines und Mathildes Zeit ist Jetzt. Und im Hier und Jetzt müssen wir neue Erinnerungen schaffen. Müssen und wollen die Zeit nutzen die wir haben um irgendwann mit einem Lächeln auch an diese Zeit zurückzudenken.

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