Abschied nehmen und neu anfangen

Wild es ist geworden. Frech und wild und manchmal auch ein klein bisschen wunderbar.

Während nach Hazel Tod alles unerträglich still wurde und ich nur mehr schreien wollte um aus der stumpfen Wattewelt die Hexe und mich eingeholt hatte auszubrechen – hat mich jetzt das junge Gemüse fest im Griff.

Nein, es ist deshalb nicht leichter und es tut nicht weniger weh. Aber die unglaubliche Lebensfreude und Energie von Pauline und Mathilde sind einfach ansteckend. Und so erwische ich mich jetzt schon dabei wie ich mit einem Lächeln durch den Wald streife, zusehe wie die Mädels sich gegenseitig jagen, buddeln, im Schlamm baden. Wie Pauline sich vor der frisch ausgebuddelten Maus erschreckt um ihr dann einige Meter hinterher zu springen, zurück zu rennen und erstmal die Buddelnase an meiner Jacke zu putzen.

Hexe hat so lange gekämpft. So erfolgreich gekämpft. Niemand, die Tierklinik am wenigsten, hätte erwartet, dass sie sich nochmal so erholt und so lange stabil bleibt. Den Sommer über konnten wir ihre Krankheit zeitweise vergessen und einfach nur die Zeit gemeinsam geniessen. Es hat uns kalt erwischt, es ist immer zu früh. Es ist immer unendlich sinnlos und unfair. Aber wir hatten Zeit, Zeit noch viele Erinnerungen zu schaffen. Zeit gemeinsam am See zu sitzen, im Schnee zu buddeln oder einfach Zeit zusammen zu sein, in der Küche, auf dem Sofa, im Park. Wir beide und das junge Gemüse wild um uns herum.

Die Ruhe ist weg. Mein Schatten ist wieder mit ihrem Rudel vereint. Und hier ist nur noch wild, der Ruhepol fehlt. Kein ruhiger, besonnener Ausgleich mehr. Ich denke wehmütig an all die Runden zurück, das blinde Verständnis zwischen uns, Jahre in denen ich grundsätzlich ohne Leinen los bin, wir haben sie einfach nicht gebraucht. Jetzt ist alles auf Anfang. Neue Baustellen, neue Erfahrungen. Neue Erinnerungen. Es wird noch viel Arbeit sein und irgendwie ist das auch gut so. Es ist anders. Es ist anstrengend. Sie können niemals ersetzen – sehr wohl aber einen eigenen Platz finden.

Meine Leidenschaft für Bücher hat mir ein Wort beschert, dass ich hier gerne teilen möchte. Aus dem Hebräischen, in meiner Erinnerung gerne bei Schulabschlüssen oder Abschlussfeiern verwendet:

Kadima  – und bedeutet wohl so etwas wie „vorwärts“ oder „weiter“

Und so atmen wir durch und machen weiter. Aufgeben ist keine Option. Geniessen die Zeit die wir haben und irgendwann, da bin ich sicher sehe ich all meine Chaoten wieder. Gute Reise Hexe. Du fehlst.

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